Montag, 28. September 2015, 20 Uhr

Foyer der HUK-Coburg.Willi-Hussong-Str.2, Bertelsdorfer Höhe

 

Saisoneröffnung: Piano Spezial in der HUK

BEETHOVEN PUR

 

Michael Leslie, Klavier

 

Das Coburger Debut des australischen Pianisten im Oktober 2013 darf man getrost als Sensation bezeichnen: Nach wortgewandter Einführung und Atem beraubender Interpretation von Klavierwerken Beethovens huldigte das Publikum dem Künstler mit standing ovations, was bei den Musikfreunden – obwohl sie hohe Qualität gewöhnt sind - nur recht selten vorkommt. Ein Rezensent beendete seine Besprechung des Abends mit den Worten: „Es war begeisternd, Zeuge dieser reinen Art der Klavierkunst mit Michael Leslie zu sein, der…als Virtuose seine Zuhörer schlichtweg vom Sessel riss. Ein großer Musikabend mit einem gefeierten Solisten...“ (Dr. Peter Müller, NP vom 23.10.2013.) Spielte Leslie damals als „Schwergewicht“ seiner Programmfolge die geradezu gigantische Hammerklaviersonate, dürfen wir diesmal auf seine Wiedergabe der Diabelli-Variationen gespannt sein, die in Coburg zuletzt vor fast 40 Jahren zu hören waren. – Der vielseitig interessierte Künstler wird darüber hinaus im Mai 2016 im Haus Contakt klassische Klavierwerke spielen, zu denen im Rahmen des Projektes „Musik, die bewegt“ jedermann unter Anleitung tanzen darf.

 

www.michael-leslie.eu

 

Mit freundlicher Unterstützung der HUK-Coburg
Ludwig van Beethoven

Sonate G-Dur op.14,2

Fantasie g- Moll op.77

Sonate A-Dur op.101

33 Veränderungen C-Dur über einen Walzer von A.Diabelli op.120

Piano Spezial in der HUK

Eintritt 28 €

Eintritt frei für Mitglieder, Schüler und Studenten

Neue Presse vom 30. September 2015

 

Hommage an ein Genie

 

Die Coburger Musikfreunde eröffnen die Saison mit einem fulminanten Piano Spezial. Michael Leslie begeistert mit den vielen Gesichtern Beethovens.

 

Von Dr. Peter Müller

 

Die neue Saison der Konzertreihe der Gesellschaft der Musikfreunde Coburg begann gleich mit einem speziellen Highlight. Sehr viele Musikliebhaber wollten am Montagabend im Foyer der HUK Coburg den australischen Konzertpianisten Michael Leslie live erleben. Michael Leslie ist nicht nur wegen seines metronomisch präzisen und fein differenzierten Spiels ein Publikumsmagnet, sondern auch wegen seines freundlichen legeren Auftretens und seiner wunderbar unterhaltsamen und hilfreichen Einführung in die Werke. Er weiß seine Hörer zu begeistern und mitzunehmen auf die intellektuellen Pfade Ludwig van Beethovens.

 

Als „Piano Spezial“ galt das Konzert alleine Beethoven. Die Klavierstücke waren aus ganz verschiedenen Lebensund Schaffensperioden und zeigten den authentisch heiteren musikantischen Künstler der freien Improvisation, den von Ideen und Witz sprühenden romantischen Fantasten und den genialen Techniker des Klaviers.

 

Mit glockenreinem Anschlag und feinster dynamischer Schattierung brachte Leslie die „Sonate Nr. 10 G-Dur op. 14,2“ zum Klingen; leicht und duftig perlend wie in Mozarts tänzerischen Werken. Der langsame Mittelsatz erklang in lieblicher Liedhaftigkeit, freundlich still, aber auch scherzhaft überraschend. Mit viel Galopp und Tanz ging es vom Scherzo zum Allegro assai, einem überraschend „modernen“ Spiel mit Takt und Rhythmus bis zum eiligen Ende.

 

Wie reich an musikalischen Einfällen Beethoven war, zeigt der Pianist in der „Fantasie g-Moll op. 77“, die in ihren Kontrasten und Motiven ein Beispiel seiner Improvisationskunst ist. Die dazwischen aufscheinende liedhafte Melodie erklingt so, als hätte man sie schon immer gekannt. Virtuos und voller Freude am pfiffigen, schnellen Musizieren wird diese romantische Erinnerung in verspielten Variationen von den Tasten gefegt. Punktum, Basta, Schluss.

 

In der ersten der letzten Sonaten des Komponisten kommt seine anhaltende Lebenskrise zum Tragen. Die „Sonate Nr. 28 A-Dur op. 101“ entwickelt sich aus den ersten vier Takten und folgt nicht mehr der Dialektik zwischen revolutionärer Willensenergie und melodischer Liebesmelodie, die sich in einem harmonischen Bund auflöst, wie im bisherigen Schaffen. Sie entwickelt sich absolut aus sich selbst heraus als bestehendes harmonisches Ganzes.

 

Ihre musikalische Erzählung aber ist wunderschön, voranschreitend, dem schönen Augenblick gewidmet und verträumt. Ohne Rücksicht auf formale Konventionen führt Beethoven den Hörer über Accelerando, Presto zum entschlossenen Fugato. Mit höchsten technischen Schwierigkeiten und aufreizender Polyfonie endet diese Impression des gelassenen Insichruhens wie selbstverständlich in launischem Musizieren. Der zweite Teil des Konzertes war ganz erfüllt vom Ideen- und Variationenreichtum Beethovens mit sämtlichen „33 Veränderungen über einen Walzer von Anton Diabelli“. Staunend bewundert wurde bei Beethoven wie bei Michael Leslie, was man als Filmtitel kennt: das „Superhirn“. Mit gewitzten Einfällen verändert Beethoven alles an Diabellis deutschem Walzer, auch noch die kleinste Tonphrase, und macht daraus eine dramatische und spannende, wohldurchdachte musikalische Unterhaltung.

 

 

Coburger Tageblatt vom 30. September 2015

 

Mit Beethoven pur fasziniert Michael Leslie das Coburger Publikum

 

Wenn ein Künstler am Ende eines Konzertes stehende Ovationen erhält, ist Außergewöhnliches passiert. Mit seinem Soloabend beschert der Pianist Michael Leslie den Coburger "Musikfreunden" einen faszinierenden Saison-Auftakt.
 

von Gerhard Deutschmann

 

Höchst anspruchsvoll auch diesmal das Programm mit zwei Sonaten und der Fantasie g-Moll im ersten, sowie den Diabelli-Variationen im zweiten Teil, was insgesamt gute zweieinhalb Stunden benötigte.


Das Klavier zum Singen bringen

 

Michael Leslie lässt das Klavier "singen", geht mit differenziertem Anschlag auf jedes Detail ein, verfügt über eine geschmeidige, perlende Geläufigkeit und versteht es, den Charakter der jeweiligen Stücke mit ausgewogener Dynamik und Agogik hervorzukehren. Darüber stimmt er das Publikum mit gescheiten Analysen und humorvollen Bemerkungen auf die Werke ein. Spielerische Leichtigkeit verlangt die frühe Sonate Nr.10 G-Dur op. 14,2, mit der Michael Leslie seine eben geschilderten Vorzüge Klang werden ließ. Dass Beethoven ein genialer Improvisator war, verrät die Fantasie g-Moll op.77, ein etwas widerborstiges Stück mit schroffen Gegensätzen und jähen Stimmungswechseln zwischen dramatischen und lyrischen Episoden. Michael Leslie wurde dem manchmal als "verrückt" bezeichneten Stück in eindrucksvoller Weise gerecht.


Huldigung an Bach

Intensiven Ausdruck und technisches Können verlangt die erste der späten Klaviersonaten Beethovens 28 A-Dur op.101. Geistvolle motivische Arbeit und die Auseinandersetzung mit Bach prägen das viersätzige Werk, welches in einer komplizierten und schwierig zu spielenden Fuge endet, die Michael Leslie mit Bravour bewältigte und stets die Themeneinsätze plastisch hervor hob. Die langsamen Sätze (1 und 3) gestaltete er höchst expressiv mit nuanciertem Anschlag.


Fesselnde Interpretation
 

Nach der Pause dann der "Paukenschlag" der 33 Veränderungen C-Dur über einen Walzer von Anton Diabelli op.120, das letzte und umfangreichste Klavierwerk Beethovens, welches wegen seiner immensen Anforderungen und Länge von knapp einer Stunde Spieldauer selbst von großen Pianisten gemieden wird und daher selten im Konzertsaal zu hören ist. Michael Leslie zeigte eine unbegreifliche Leistung, als er dieses Riesenwerk wie alles an diesem Abend auswendig und fesselnd gestaltete, wofür er mit anhaltendem Beifall und stehenden Ovationen bedacht wurde. Eine Zugabe verbot sich von selbst nach solch einem Werk, obwohl der standfeste Pianist äußerlich noch keine Ermüdungserscheinungen zeigte.