Donnerstag, 18. Februar 2016, 20 Uhr, Andromedasaal von Schloss Ehrenburg

 

Sonderkonzert

Schatzsuche im Andromedasaal

 

Julian Arp, Violoncello

Caspar Frantz, Klavier

 

Im Herbst 2014 führten wir im Andromedasaal der Ehrenburg erstmals in Kooperation mit der Landesbibliothek Coburg ein besonderes Konzert durch: die dort gesammelten Schätze an Notenmaterial sollten nicht nur als Dokumente im Dunkel der Archive vor sich hinschlummern, sondern durch die Instrumente der Musiker ihrer wahren Bestimmung zugeführt werden. Das ist der explizite Wunsch von Frau Dr. Silvia Pfister, Direktorin der Landesbibliothek. Waren es damals Stücke von Johann Strauss und Giuseppe Verdi, die ins musikalische Leben gerufen wurden, ist es diesmals die Cellosonate des Komponisten Wilhelm Berger. Der war als Meininger Kapellmeister bis zu seinem frühen Tod Vorgänger von Max Reger. Das Notenmaterial ist aktuell in keiner Weise mehr zugänglich, da längst vergriffen. Der Pianist Caspar Frantz ist auf seiner langen Suche nach dieser „Dornröschen“-Sonate nun in Coburg endlich fündig geworden.

 

www.duoarpfrantz.com

 

 

Wilhelm Berger

Sonate für Violoncello und Klavier d-Moll op. 28

 

Johannes Brahms

Sonate für Violoncello und Klavier F-Dur op. 99

Sonderkonzerte in schönem Ambiente

Eintritt 15 €

Mitglieder 12 €

Schüler/Studenten frei

Neue Presse vom 20. Februar 2016

 

Der gehobene Schatz

 
Julian Arp und Caspar Frantz stellen in der Landesbibliothek Coburg ein musikalisches Fundstück vor. Ihr Konzert im Andromedasaal begeistert die Musikfreunde.
 

Von Dr. Peter Müller

 

Bibliotheksdirektorin Silvia Pfister strahlte, als sie die Gäste im ausverkauften Andromedasaal begrüßte, die es am Donnerstagabend zum Sonderkonzert der Coburger Musikfreunde und der Landesbibliothek gezogen hatte. Sie erwarteten Schätze, die Caspar Frantz, ein Neffe des Pianisten und Dirigenten Justus Frantz, auf der Suche nach neuem Repertoire für sein Duo mit Julian Arp in der Landesbibliothek gehoben hatte.

Der Cellist Julian Arp und der Pianist Caspar Frantz bilden seit mehr als fünfzehn Jahren ein festes Duo, das vielfach international ausgezeichnet wurde, und das sich mit dem Konzert und dem in der Romantik gefundenen Schatz an diesem Abend bedanken wollte.

Den Reigen romantischer "Lieder ohne Worte" eröffneten drei ineinander fließende "Fantasiestücke für Violoncello und Klavier op. 73" von Robert Schumann. "Zart und mit Ausdruck" begann ein Dialog zwischen dem aufbegehrenden Thema des energisch und raumfüllend erklingenden, brillant intonierten Violoncello Julian Arps und den geschlossen fließenden, hellen Klängen des Pianisten. Schnell und feurig prägen die sich gegenseitig antreibenden Motive im von Schumann "lebhaft, leicht" charakterisierten zweiten Satz, der "rasch und mit Feuer", voller angespannter Energie und dynamischem Farbspiel ins Finale übergeht.

Die Entdeckung des Abends, der wiedergefundene Schatz, war die "Sonate für Violoncello und Klavier d-Moll op. 28" von Wilhelm Berger (1861 bis 1911). Der in Boston/USA geborene Bremer Komponist galt als hochtalentiert. Das dargebotene Werk schrieb der später als Pianist und Hofkapellmeister in Meiningen bekannt gewordene Wilhelm Berger im Alter von 16 Jahren.

Mit einem aufwühlenden, hochdramatischen Thema beginnt das "Allegro molto". Voller Kraft und virtuosem Feuer setzt das Cello Maßstäbe, die das Klavier ruhig und fest konterkariert. Wiegend und dynamisch verwegen setzt sich ein romantisches Liedthema beider Künstler durch. Im "Andante, ma non troppo con Variazioni" wechseln sich die Instrumente in Melodie und rhythmisch markanter Begleitung wie die starken Gefühle des Ausdrucks ab. Leidenschaft, exzessive Ausbrüche sowie Melancholie und Trauer formten sich im intensiven Ausdrucksvermögen des aufeinander eingeschworenen Duos zu einem brillanten Klanggemälde. In virtuosem Gleichklang stürmten die Solisten durch eine wilde romantische Landschaft zum strahlenden Gipfel.

Ein Höhepunkt der romantischen Kammermusik, die "Sonate F-Dur op. 99 für Violoncello und Klavier" von Johannes Brahms, bildete auch den Höhepunkt des Konzertes. Arp und Frantz meisterten diese anspruchvolle Herausforderung mit Bravour. Souverän schilderten sie das Chaos der Klangmöglichkeiten im "Allegro vivace", das sich mit dem emotionalen solistischen Thema bis zu sakraler Kraft entfaltet. Voller anschwellender Leidenschaft entwickelt sich im "Adagio affetuoso" eine romantisch füllige Melodie zu liedhafter stiller Einfachheit, die Frieden bringt. Rhythmuswechsel kennzeichnen diesen wild dramatischen Rahmen gegenüber dem schwelgend sehnsuchtsvollen Mittelteil, ganz im Stil eines Scherzo - Trio - Scherzo. Melodisch tänzerisch und sehr rhythmisch bis zur Marschform endete diese breit angelegte orchestrale Sonate in einer großen triumphierenden Melodie.

Der Applaus war schon nach der Erstaufführung der Sonate Wilhelm Bergers enorm. Nach der musikalischen Demonstration der Brahms-Sonate steigerte er sich noch einmal gewaltig. Und weil unter den Großen der Romantik im Programm Mendelssohn fehlte, spielte das Duo ergänzend dessen traumhaft schönes "Lied ohne Worte - für Violoncello und Klavier" .

 

Coburger Tageblatt vom 20. Februar 2016

 

Klangvolle musikalische Schatzsuche in Coburg

 
Ein Sonderkonzert der Coburger "Musikfreunde" in Zusammenarbeit mit der Landesbibliothek bringt eine begeistert aufgenommene Wiederaufführung.
 

Von Gerhard Deutschmann
 

Wilhelm Berger wurde 1861 als Sohn eines aus Bremen stammenden Musikalienhändlers geboren und zeigte schon früh seine musikalische Begabung. Nach Klavier- und Kontrapunkt-Studium in Berlin machte er sich rasch einen Namen als Komponist und Konzertpianist.

Von 1888 an unterrichtete er fünfzehn Jahre lang am dortigen Klindworth-Scharwenka Konservatorium, worauf ihm 1903 die bedeutende Stellung des Hofkapellmeisters in Meiningen angetragen wurde, damals eines der besten Orchester Europas, das zuvor schon Hans von Bülow und Richard Strauss und später auch Max Reger leitete. Berger behielt dieses Amt bis zu seinem frühen Tod im Jahre 1911.

Beachtliche Talentprobe


Die im Mittelpunkt des Konzerts stehende Sonate d-Moll op.28 für Violoncello und Klavier von Wilhelm Berger stellt die beachtliche Talentprobe eines erst Sechzehnjährigen dar. Klassische Formbeherrschung paart sich hier mit hochromantischer Harmonik und Ausdruckswelt.

Dramatisch beginnt der 1. Satz, dessen energischem 1. Thema das lyrische zweite folgt. Dramatisch-lyrisch ist auch die Durchführung. Nach mächtiger Schlusssteigerung verklingt der Satz aber ruhig-besinnlich.

Der folgende langsame Satz enthält mehrere Variationen unterschiedlichen Charakters über ein gefühlvolles eigenes Thema. Leidenschaftlich, mit orchestralem Klavierpart, bildet der letzte Satz den krönenden Abschluss des wirkungsvollen Werks, das mit stürmischem, begeistertem Beifall aufgenommen wurde - natürlich ebenso wegen der meisterhaften Wiedergabe durch den mit beseeltem Ton und dynamisch differenziert musizierenden Cellisten Julian Arp und seinen kongenialen, fingerfertigen und anpassungsvollen Mitgestalter am Flügel, Caspar Frantz.

Eine echte Bereicherung


Die Berger-Sonate ist auf alle Fälle eine echte Bereicherung der nicht gerade allzu üppigen romantischen Cello-Literatur. Dem Pianisten gebührt der Dank, sie wiederentdeckt zu haben - und das in Coburg!

Eine erste Kostprobe ihres Könnens hatten die beiden Künstler zuvor mit den drei ursprünglich für Klarinette und Klavier konzipierten Fantasiestücken op.73 von Robert Schumann gegeben, die sie tonschön mit leidenschaftlichem Duktus wie aus einem Guss darboten.

Ausdrucksvoll interpretiert


Nach der Pause gab es noch einen weiteren Höhepunkt mit der anspruchsvollen, überlegen und eindrucksvoll interpretierten Sonate F-Dur op. 99 von Johannes Brahms. Es gab begeisterten Beifall des Publikums für die beiden musikalischen "Schatzgräber", für den sie sich mit einem stimmungsvollen "Lied ohne Worte" von Mendelssohn bedankten.

 

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